Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung am 6. Februar

03.02.2012: Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung am 6. Februar

Erzbischof Schick: „Das anhaltende Unrecht nicht hinnehmen!“

Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, fordert ein stärkeres Engagement im Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung. „Wir brauchen einen engagierten Dialog mit den betroffenen Staaten auf internationaler Ebene. Vor allem in Afrika benötigen wir Aufklärung im Zusammenspiel von Politik, Religion und Zivilgesellschaft. Nur so kann in der Frage der Genitalverstümmelung ein nachhaltiger Bewusstseinswandel herbeigeführt werden. Bei all dem geht es zuerst um die Stärkung und den Schutz der Frau“, sagte der Erzbischof anlässlich des Internationalen Tages gegen Genitalverstümmelung der UN-Menschenrechtskommission am 6. Februar.

„Auch für die Kirche gilt: Wir müssen unsere Anstrengungen im Kampf gegen dieses unsägliche Leid verstärken“, betonte Erzbischof Schick weiter. Zwar gebe es vielfältige Aufklärungsprogramme und engagierte Projektarbeit kirchlicher Einrichtungen vor Ort. Dennoch wünsche er sich, dass in manchen Ländern die Ortskirchen noch deutlicher Partei ergreifen für die Sache der Frau. „Es gilt, die körperliche Unversehrtheit unbedingt und entschieden zu verteidigen.“ In diesem Zusammenhang erinnerte Erzbischof Schick auch an den „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Nr. 2297). Dort habe das kirchliche Lehramt klar gestellt, dass Verstümmelungen „gegen das sittliche Gesetz“ verstoßen.

Die weibliche Genitalverstümmelung wird in Afrika sowohl in vorwiegend christlichen als auch in islamisch geprägten Gegenden praktiziert. In muslimischen Gebieten gehen viele Menschen davon aus, dass die Genitalverstümmelung bei Frauen eine Vorschrift des Propheten darstellt; doch wurde bereits mehrfach von islamischen Gelehrten und zuletzt auch in einem Rechtsgutachten der Al-Azhar-Universität in Kairo festgehalten, dass der Koran die Verstümmelung der weiblichen Genitalien nicht vorschreibt.

„Die weibliche Genitalverstümmelung ist nicht religiös begründet, auch wenn viele Muslime in Afrika dies meinen“, sagte Erzbischof Schick. „Im Senegal z. B. zeigt sich deutlich eine ethnisch-kulturell verankerte Praxis, die auf archaische Denkmuster zurückgeht. Die mehrheitlich muslimische Volksgruppe der Wolof, die auch die Mehrheit der Bevölkerung in Thiès, der Partnerdiözese des Erzbistums Bamberg, stellt, kennt die Beschneidung von Frauen hingegen kaum. Das anhaltende Unrecht gegen Frauen darf daher nicht im Namen des Islam begangen oder hingenommen werden.“

Mit Blick auf die Bundesregierung begrüßte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, dass die Genitalverstümmelung seit 2008 für Mädchen und Frauen, denen bei der Rückkehr in ihre Heimat eine Genitalverstümmelung droht, als eigenständiger Asylgrund aufgrund geschlechtsspezifischer Verfolgung geltend gemacht werden kann.

Am 6. Februar begeht die UN-Menschrechtskommission jährlich den Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung. Der Gedenktag soll die Weltöffentlichkeit auf die anhaltende brutale Menschenrechtsverletzung durch die Praxis der Beschneidung junger Frauen und Mädchen aufmerksam machen. Die weibliche Genitalverstümmelung ist insbesondere in vielen Ländern West- und Nordostafrikas ein weit verbreitetes Phänomen. 140 Millionen Frauen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation von der Beschneidung betroffen, 120 Millionen davon leben in Afrika. Jedes Jahr werden rund 3 Millionen Frauen beschnitten. Auch in Deutschland leben nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes rund 118.000 Frauen und Mädchen mit verstümmelten Genitalien. Die Folgen für die Frauen sind eine lebenslange oft schmerzhafte körperliche Beeinträchtigung sowie ein seelisches Trauma

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