Theology

Eucharistischer Kongress 2013

Eucharistischer Kongress 2013

Eine Frau erhält von einem Priesters die heilige Kommunion.
Eucharistiefeier. © KNA-Bild

50 Jahre Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils – die Deutsche Bischofskonferenz lädt im Jahr 2013 zu einem Nationalen Eucharistischen Kongress in das Erzbistum Köln ein. Damit möchten die deutschen Bischöfe an das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) erinnern und sich den eucharistischen Fragen und Anforderungen wieder neu stellen.

Der Nationale Eucharistische Kongress im Rahmen des mehrjährigen Gesprächsprozesses findet vom 5. bis 9. Juni 2013 in Köln statt. Die Vollversammlung der deutschen Bischöfe hat sich für dieses Leitwort entschieden:

„Herr, zu wem sollen wir gehen?“ (Joh 6,68)

Organisiert wird der Kongress durch einen Lenkungsausschuss unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Köln, Joachim Kardinal Meisner. Stellvertretender Vorsitzender im Lenkungsausschuss ist Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Vor Ort in Köln übernimmt das Projektbüro Eucharistischer Kongress 2013 die Vorbereitung.

 

Eucharistischer Kongress Thema bei der Vollversammlung in Trier

Die Vorbereitungen für den nationalen Eucharistischen Kongress waren am 19. Februar 2013 Thema bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Trier.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, und Joachim Kardinal Meisner, der Erzbischof von Köln, sowie Msgr. Robert Kleine, der Sekretär des Eucharistischen Kongresses, haben in einem Pressegespräch vom aktuellen Stand der Planungen für das Glaubensfest berichtet.

Zur Pressemitteilung und den Statements vom 19.02.2013

 

„Wie können wir Gott verehren?“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch:

„Wie können wir Gott verehren? Das fragen sich viele Menschen. Vor einem halben Jahrhundert hat das II. Vatikanische Konzil zu diesem Thema eine wegweisende Antwort mit der damals verabschiedeten Liturgiekonstitution gegeben. Daran erinnern wir uns im Jahr 2013. Dieses Jubiläum ist für die Deutsche Bischofskonferenz eine gute Gelegenheit, besonders für die Eucharistie zu danken und zu einem Eucharistischen Kongress einzuladen, den für sie das Erzbistum Köln ausrichten wird. Der Eucharistische Kongress ist Teil des Gedenkens an das II. Vatikanische Konzil. Dessen Abschluss vor 50 Jahren, also im Jahr 2015, wird ein großes Fest der Weltkirche und der Kirche in Deutschland sein.“

Was ist ein Eucharistischer Kongress?

Durch Feier, Anbetung und Katechese Jesus Christus im Geheimnis der Eucharistie besser kennen und lieben lernen

Jugendliche beten und sind im Gespräch in einer Halle der Kölner Messe.
Weltjugendtag 2005: Jugendliche im Beichtgespräch.

Ein eucharistischer Kongress kann sowohl national als auch international stattfinden. Auf nationaler Ebene findet er sich – wie auch 2013 in Köln – auf Beschluss der Bischofskonferenz zusammen, oder nach Ermessen der einzelnen Ortsbischöfe in den jeweiligen Diözesen. Ein Internationaler Eucharistischer Weltkongress kommt auf Vorschlag des Päpstlichen Komitees für die eucharistischen Weltkongresse und nach Verkündung durch den Papst zusammen.

Im Zentrum eines Eucharistischen Kongresses stehen Gottesdienst, Anbetung, Glaubensverkündigung, Glaubensvertiefung und die Frage nach der Lebensführung aus dem Glauben. Wortgottesdienste, theologische Vorträge und gemeinsame Gebete werden dabei abgestimmt auf das spezielle Thema des Kongresses.

Während der Kongresstage sollen die Gläubigen gemeinsam bezeugen, dass Jesus Christus im Geheimnis der Eucharistie die Mitte des Lebens, der Kirche, und ihrer Sendung ist. In der Eucharistie wird dem letzen Abendmahl Jesu Christi, seines Todes und seiner Auferstehung gedacht. Sie ist eines der sieben Sakramente, in denen in den Opfergaben von Brot und Wein die Gegenwart Christi erfahrbar wird. Jesu Tod und Erlösung der Menschheit wird in der Eucharistie verkündet. Dabei ist Jesus Christus in den Gaben von Brot und Wein vergegenwärtigt.

Durch intensive spirituelle und pastorale Vor- und Nacharbeit sind die Ortskirchen auch über die Feierlichkeiten des eucharistischen Kongresses hinaus gefordert und tragen die Ergebnisse und Anregungen weiter.

 

Ein Blick zurück

Der erste Eucharistische Weltkongress 1881 in Lille (Frankreich)
„Das derzeitige große Übel der religiösen Gleichgültigkeit ist, dass man nicht auf Jesus Christus als den eigentlichen Erlöser und Gott zugeht. Man gibt das einzige Fundament, das einzige Gesetz, die einzige Gnade des Heils auf“, so der Wegbereiter der  Eucharistischen Weltkongresse, der hl. Peter Julian Eymard (1811 –1868). Seine geistige Schülerin, Emilie Tamisier (1834- 1910) organisierte daraufhin, allen Schwierigkeiten trotzend, den ersten Eucharistischen Weltkongress im Jahr 1881 in Lille.

Eucharistische Weltkongresse in Deutschland
Bisher fanden in Deutschland zwei internationale Eucharistische Weltkongresse statt: der 20. Eucharistische Weltkongress vom 4. bis zum 8. August 1909 in Köln und der 37. Eucharistische Weltkongress vom 31. Juli bis zum 7. August 1960 in München unter dem Motto „Pro mundi vita/ Für das Leben der Welt“.

Kanada 2008
Der letzte Eucharistische Weltkongress 2008 in Quebec (Kanada) stand unter dem Thema „Die Eucharistie, Geschenk Gottes für das Leben der Welt“ und begann am 15. Juni 2008  für die Dauer einer Woche.

Köln als Gastgeber 2013

Blick auf den Kölner Dom und die Hohenzollernbrücke. © WJT
Blick auf den Kölner Dom und die Hohenzollernbrücke. © WJT

Das Erzbistum Köln freut sich sehr, nach dem Weltjugendtag 2005 nun erneut Gastgeber eines so wichtigen Glaubensereignisses sein zu dürfen. Erzbischof Joachim Kardinal Meisner möchte ein „wichtiges Zeichen des Glaubens in der Öffentlichkeit“ setzen und in diesem Rahmen ebenfalls das 1.700 jährige Bestehen des Erzbistums Köln feiern.

 

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Ökumene

Ökumene

Die „Ökumene“ – häufig in aller Munde und gleichzeitig bleibende Herausforderung an alle Christen. Was genau ist damit gemeint?

Wortherkunft

Erzbischof Zollitsch und Präses Schneider bei einem Treffen in St. Peter, Schwarzwald. (Foto: KNA)
Erzbischof Zollitsch und Präses Schneider bei einem Treffen in St. Peter, Schwarzwald. (Foto: KNA)

Das Wort „Ökumene“ kommt aus dem Griechischen und meint ursprünglich „die bewohnte Erde“. Als sich das Christentum in den ersten Jahrhunderten und darüber hinaus immer mehr ausbreitete, bekam „Ökumene“ die Bedeutung „zur Kirche als ganzer gehörig“ bzw. “allgemeine kirchliche Gültigkeit besitzend“. Heute wird der Begriff in erster Linie durch die Entwicklung und das Selbstverständnis der Ökumenischen Bewegung bestimmt. Ihr geht es vor allem um drei Dinge:

  • die weltweite Einheit der Christen
  • den universalen Dienst der Christen an der Welt und
  • das Bemühen der Christenheit um die Einheit der Menschheit.

 

Was versteht die katholische Kirche unter „Ökumenischer Bewegung“?

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) hat in seinem Dekret über den Ökumenismus „Unitatis redintegratio“ die Ökumenische Bewegung als „Tätigkeiten und Unternehmungen, die je nach den verschiedenartigen Bedürfnissen der Kirche und nach Möglichkeit der Zeitverhältnisse zur Förderung der Einheit der Christen ins Leben gerufen und auf dieses Ziel ausgerichtet sind“, definiert.

Um diesem Ziel gerecht zu werden, führt die katholische Kirche auf nationaler und internationaler Ebene eine Vielzahl von Dialogen mit den verschiedenen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften.

Das Zweite Vatikanische Konzil nannte es eine seiner Hauptaufgaben, „die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen“ und gab dies den katholischen Gläubigen als bleibende Aufgabe. Das Konzil fand damit in Deutschland offene Ohren, wo die gemeinsame Bedrängnis unter den Nationalsozialisten dazu beigetragen hatte, dass Christen aus unterschiedlichen Konfessionen ihre Nähe entdeckten.

 

Geschichte der Ökumene in Deutschland

1957: der Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger gründet das „Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik“. Eine seiner Hauptaufgaben ist bis heute die Förderung der Ökumene mit dem Ziel einer künftigen Einheit in der Wahrheit und in der Liebe.

1960: Papst Johannes XXIII. gründet im Vatikan das „Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen“. Es trug entscheidend zur ökumenischen Ausrichtung des Konzils bei.

1971–1975: Die „Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland“ in Würzburg überträgt das Zweite Vatikanische Konzil auf die Kirche in Deutschland. Sie betont die historische Verantwortung der Katholiken im Land der Reformation, die Zerrissenheit zu überwinden.

1973–1975: Die Pastoralsynode in der damaligen DDR nimmt das Konzilsdekret über den Ökumenismus auf und empfiehlt den katholischen Gemeinden den Dialog, gemeinsame Aktivitäten und Gottesdienste mit den Christen anderer Konfessionen.

1980 und 1987: Die Besuche von Papst Johannes Paul II. in Deutschland geben der Ökumene entscheidende Impulse. Die Begegnung des Papstes mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im November 1980 in Mainz hat zur Folge, dass Bischofskonferenz und EKD zusammen mit dem vatikanischen Sekretariat für die Einheit der Christen eine Gemeinsame Ökumenische Kommission einrichten. Bereits 1981 veröffentlicht das Gremium ein Gemeinsames Wort zum Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, dem später Erklärungen über die Feier des Sonntags und zur konfessionsverschiedenen Ehe folgen. Die inzwischen erreichte Nähe wird deutlich beim ökumenischen Gottesdienst, den Papst Johannes Paul II. mit dem damaligen EKD-Ratsvorsitzenden Bischof Kruse, dem bayerischen Landesbischof Hanselmann, dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Augoustinos und einem Pastor der Herrnhuter Brüder-Gemeine 1987 in Augsburg feiert.

1981-1985: Im Auftrag der Gemeinsamen Ökumenischen Kommission berät ein Ökumenischer Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen über die gegenseitigen Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts. Nach dieser Vorarbeit kommt die Kommission in ihrem Schlussbericht zu dem Ergebnis, dass die damaligen Verwerfungen der je anderen Konfession den heutigen Partner nicht mehr treffen.

1994: Die 1991 von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken initiierte „Woche für das Leben“ wird erstmals gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland durchgeführt.

1999: Am 31. Oktober 1999 unterzeichnen die katholische Kirche und der Lutherische Weltbund in Augsburg die Gemeinsame Offizielle Feststellung, mit der die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre offiziell angenommen wird. 2006 haben sich die Mitgliedskirchen des Weltrates der Methodistischen Kirche angeschlosssen und ihre Zustimmung zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre erklärt.

2003: Der erste Ökumenische Kirchentag findet unter großer Anteilnahme aus dem In- und Ausland in Berlin statt. Außerdem wird 2003 als ökumenisches „Jahr der Bibel“ begangen, getragen von den Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland sowie christlichen Werken und Verbänden.

2005 und 2006: Papst Benedikt XVI. trifft während seiner beiden Deutschlandbesuche zu verschiedenen ökumenischen Gesprächen zusammen.

2010: In München findet der Zweite Ökumenische Kirchentag statt.

2011: Im Rahmen seines Deutschlandbesuches kommt Papst Benedikt XVI. am 23. September im Kapitelsaal der Augustinerkirche in Erfurt mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammen. Mit dem Ort der Begegnung setzt der Papst ein symbolträchtiges ökumenisches Zeichen von historischer Bedeutung. Dort, wo Martin Luther Theologie studiert hat und wo er zum Priester geweiht wurde, würdigt er den Reformator als einen zutiefst gläubigen Menschen, den die Frage nach Gott umgetrieben hat. Im Anschluss an das Treffen im Kapitelsaal findet ein ökumenischer Gottesdienst in der Augustinerkirche statt. Am folgenden Tag trifft der Papst in Freiburg Repräsentanten der orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen in Deutschland zum Gespräch.
Mehr unter www.papst-in-deutschland.de

 

Wie sieht Ökumene in Deutschland heute aus?

Heute gibt es zwischen den christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in Deutschland auf allen Ebenen beständige institutionelle und informelle Kontakte. Theologische Gespräche und gemeinsame Initiativen, etwa die Zusammenarbeit von gleichartigen kirchlichen Einrichtungen, Verbänden und Gruppen, ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Katholikentage und evangelische Kirchentage besitzen stets ökumenische Akzente. 2010 findet zum zweiten Mal ein Ökumenischer Kirchentag statt.

Forum der multilateralen Ökumene sind die Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Auf Bundesebene wude die ACK 1948 gegründet. Die Deutsche Bischofskonferenz ist dort seit 1974 Mitglied.

Regelmäßige ökumenische Gottesdienste benachbarter Gemeinden, die früher kirchlich kaum voneinander Kenntnis nahmen, gehören zur Normalität. Gemeinsames Hören der Heiligen Schrift, gemeinsame Gebetstexte und Lieder schaffen gegenseitige Vertrautheit. Die Gebetswoche für die Einheit der Christen im Januar oder vor Pfingsten, der Weltgebetstag der Frauen im März, der Ökumenische Kreuzweg der Jugend in der Fastenzeit, die Ökumenische Bibelwoche und das Ökumenische Gebet im Advent sind für viele Christen fester Bestandteil ihres Glaubensvollzuges.

Das Zweite Vatikanische Konzil

Das Zweite Vatikanische Konzil

Ein halbes Jahrhundert alt, aber nicht veraltet

Ob man den durch Papst Johannes XXIII. geprägten Begriff des „aggiornamento“ verwendet oder es mit dem Leitwort des Katholikentages 2012 „Einen neuen Aufbruch wagen“ beschreibt, die Botschaft bleibt gleich.

Bischöfe sitzen in der Konzilsaula des Petersdoms.
Das Zweite Vatikanische Konzil war ein Ereignis mit Weitsicht. © KNA-Bild, Bonn

Die Kirche muss sich den sich wandelnden Anforderungen der Zeit stellen, um im Leben der Menschen bedeutsam und wirksam zu bleiben. Die Kirche hat so die bleibende Aufgabe, in die Welt hineinzuwirken. Das Zweite Vatikanische Konzil, das am 11. Oktober 1962 durch Papst Johannes XXIII. eröffnet wurde, hat dafür Wegweisendes geleistet.

Beim Zweiten Vatikanischen Konzil debattierten rund 2.800 Konzilsväter – der Papst mit Bischöfen aus der ganzen Welt – zwischen 1962 und 1965 im Petersdom zu Rom vorrangig über folgende Fragestellungen:
Wie kann die katholische Kirche ihre Botschaft unter den Rahmenbedingungen der modernen Welt und des weltanschaulichen Pluralismus angemessen verkünden? Wie kann eine Reform der Liturgie und wie eine solche der Priesterausbildung aussehen? Wie ist es um die Einheit der Christen, die Ökumene, bestellt und auf welche Weise lässt sich eine Aussöhnung von Kirche und Judentum herbeiführen?

Diese wichtigen Fragen wurden in einem Zeitraum von vier jeweils mehrmonatigen Sitzungsperioden diskutiert und brachten als Ergebnis 16 Dokumente hervor: vier Konstitutionen, neun Dekrete und drei Erklärungen.

 

Überraschende Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils durch Papst Johannes XXIII.

Er wurde als „Papst des Übergangs“ bezeichnet und stieß doch nachhaltige Veränderungen in der Katholischen Kirche an: Papst Johannes XXIII. – wegen seiner Bescheidenheit und Volksnähe auch „il Papa buono“ (der gute Papst) genannt – kündigte bereits wenige Monate nach seiner Wahl die Einberufung eines ökumenischen Konzils an. Schon bald nahm die erste Vorbereitungskommission ihre Arbeit auf, weitere Kommissionen und Sekretariate folgten.

Am 25. Dezember 1961 berief Papst Johannes XXIII. dann mit der Apostolischen Konstitution „Humanae Salutis“ offiziell das Konzil ein. Die Eröffnung wurde auf den 11. Oktober 1962 festgelegt – das Hochfest der Gottesmutter Maria, das heute am 1. Januar gefeiert wird.

 

Die vier Sessionen des 21. Ökumenischen Konzils

Das Zweite Vatikanische Konzil erstreckte sich über vier Sessionen, die jeweils zwei bis drei Monate dauerten. Im Vorfeld des Konzils waren von der Kurie und den Vorbereitungskommissionen 72 Textentwürfe (Schemata) erarbeitet worden, die im Verlauf des Konzils diskutiert, verändert oder auch verworfen wurden.

 

1. Session: 11. Oktober bis 7. Dezember 1962

2.540 Konzilsmitglieder zogen in den Petersdom ein. Nach der Heiligen Messe und einer feierlichen Eröffnung und Begrüßung begannen die Konzilsväter mit der Diskussion der Schemata.

Zwei Kardinäle stehen nebeneinander und diskutieren.
Zwei Kardinäle im Gespräch: Das Konzil bot Gelegenheit zur Begegnung und Diskussion. © KNA-Bild, Bonn

Schnell waren Schwierigkeiten innerhalb des Verfahrens erkennbar: Nach einem Monat waren erst drei von acht Kapiteln der ersten und nicht einmal umfangreichsten der 72 Textvorlagen in einer Lesung beraten. Papst Johannes XXIII. griff auf verschiedene Arten in das Verfahren ein, um den Prozess zu beschleunigen.

Zwar brachte die erste Session trotz dieser Bemühungen keine schriftlichen Ergebnisse hervor, doch konnte das Zusammenwirken von Primat und Episkopat als das greifbarste und vielleicht wichtigste innerkirchliche Ergebnis festgestellt werden. Zudem fand durch die Begegnung und das intensive Gespräch eine spürbare Annäherung der Konzilsväter untereinander statt.

 

2. Session: 29. September bis 4. Dezember 1963

Nachdem Papst Johannes XXIII. am 3. Juni 1963 verstorben war, wurde die zweite Session des Konzils von dem am 21. Juni 1963 neu gewählten Papst Paul VI. fortgeführt.

Als Neuheit galt in dieser Session die Anwesenheit von zwölf Laien als Auditoren. Weiterhin vereinfachte und beschleunigte die Einsetzung von vier Moderatoren  die Arbeitsweise des Konzils. Die Kardinäle Julius Döpfner (Deutschland), Giacomo Lercaro (Italien), Léon-Joseph Suenens (Belgien) und Grégoire-Pierre Agagianian (Georgien) übernahmen diese Aufgabe. Das neue Prozedere führte zu klareren Mehrheitsverhältnissen bei Abstimmungen und konkreteren Ergebnissen.

Als Ergebnisse der zweiten Session wurden beim feierlichen Abschluss am 4. Dezember zwei Dokumente verkündigt:

Zum Ende der Session kündigte Papst Paul VI. überraschend eine Pilgerreise ins Heilige Land an, die ihn im Jahr 1964 nach Jordanien und Israel führte.

 

3. Session: 14. September bis 21. November 1964

Die Eröffnung (wie auch der Abschluss) der dritten Session wurde durch eine Konzelebration des Papstes mit 24 Konzilsvätern gestaltet, die eine ausdrucksvolle Darstellung des einen Priestertums Christi und der bischöflichen und priesterlichen Kollegialität war.

 

Laien und Ordens-Oberinnen in der Konzilsaula.
Erstmals konnten auch Laien und Ordens-Oberinnen als Auditoren am Konzil teilnehmen. © KNA-Bild, Bonn

Bei dieser Session nahmen erstmalig auch weibliche Auditoren, zumeist Ordens-Oberinnen, teil.

Die zentralen Diskussionsthemen betrafen das Verhältnis der Katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, die religiöse Freiheit, die Rolle der Kirche in der „heutigen“ Welt (Schema 13) sowie die Missionstätigkeit der Kirche.

 

Die dritte Session brachte folgende Schriften als Ergebnisse hervor:

4. Session: 15. September bis 8. Dezember 1965

Papst Paul VI. reiste am 4. Oktober 1965 im Namen der Konzilsväter nach New York, um vor den Vereinten Nationen in eindringlicher Weise für den Frieden in der Welt zu sprechen.

Am 18. Oktober referierte erstmals ein Laie – der als Apostel der Aussätzigen bekannte Franzose Raoul Follereau – vor den Konzilsvätern. Er äußerte sich zum Schema 13, das die Rolle der Kirche in der „heutigen“ Welt behandelt und über die am 16. Dezember endgültig abgestimmt wurde.

Im Rahmen der vierten Session eröffnete Papst Paul VI. den Seligsprechungsprozess seiner Vorgänger Pius XII. und Johannes XXIII. und sprach den maronitischen Mönch Antonius aus dem Libanon selig – ein ökumenisch bedeutsames Zeichen.

Mit der Veröffentlichung der letzten Dokumente erklärte Papst Paul VI., das Zweite Vatikanische Konzil richte eine Botschaft des Vertrauens an die Welt. Den Höhepunkt bildete eine Erklärung, die zur gleichen Zeit von Paul VI. in Rom und dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Athenagoras I., verlesen wurde. Darin wurde die vor 900 Jahren gegenseitig ausgesprochene Exkommunikation zwischen Rom und Konstantinopel aufgehoben.

Am 8. Dezember 1965 endete das Konzil mit einer feierlichen Messe. Die folgenden Dokumente bildeten den Abschluss der vierten Session und damit des Zweiten Vatikanischen Konzils:

Vier Schlüsseldokumente mit nachhaltiger Wirkung

Die vier im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils verfassten Konstitutionen bildeten die Schlüsseldokumente, deren Inhalte weitreichende Veränderungen mit sich brachten.

So formulierte die Konstitution „Lumen gentium“ ein neues Kirchenverständnis, demzufolge die Kirche das pilgernde Volk Gottes ist, in dem jeder Einzelne Mitverantwortung trägt. Aus der Konstitution über die Liturgie erwuchs die 1970 umgesetzte Reform des Gottesdienstes und der Sakramente sowie die Einführung der Volkssprache gegenüber dem Lateinischen als alleiniger Liturgie-Sprache.

Bischöfe auf ihren Plätzen in der Konzilsaula.
Die Konzilsväter erarbeiteten gemeinsam 16 Dokumente mit weitreichender Wirkung. © KNA-Bild, Bonn

In der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“ äußerte sich das Konzil zu den Problemen der Moderne. Hier setzt auch die Aufforderung von Papst Johannes XXIII. an, der zum „aggiornamento“ und damit zu einer notwendigen Öffnung der katholischen Kirche angesichts der Zeichen der Zeit aufgerufen hatte.

Die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ erkannte die Ergebnisse und die Legitimität der wissenschaftlichen Erforschung der Heiligen Schrift an.

In den weiteren Dokumenten – den Dekreten und Erklärungen – werden u. a. die Religionsfreiheit und der verstärkte Dialog mit Andersgläubigen betont, Themen, die heute aktueller denn je sind. Darauf bezieht sich auch das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene „Jahr des Glaubens“, das am 11. Oktober 2012 – dem 50. Jahrestag der Konzilseröffnung – beginnen wird. Der Papst ermutigt in diesem Zusammenhang dazu, „den Weg des Glaubens wiederzuentdecken, um die Freude und die erneuerte Begeisterung der Begegnung mit Christus immer deutlicher zutage treten zu lassen“ und so der tiefen Glaubenskrise in der modernen Gesellschaft entgegenzuwirken.

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