Brief von Patriarch

 

Patriarchat Babylon der Chaldäer

Datum: 05.08.2014

Nr.: 119

Brief an seine Heiligkeit Papst Franciscus

Eure Seligkeiten Patriarchen des Ostens

Leiter der Bischofskonferenzen

Gruß und Frieden in Jesus Christus,

Irakische Christen befinden sich in einer riesigen menschlichen Katastrophe

Die Christen haben Mosul mit Schrecken und nur mit Ihrer Kleidung am Körper verlassen.  Sie sind aus ihren Häusern vertrieben worden und die Heiligkeit Ihrer Kirchen wurde verletzt.

Am 02.08.2014 hat eine panische Massenflucht in den Dörfern Telkef, Batnaya und Telskef stattgefunden, da die ISIS das Nachbardorf Sinjar eroberte und 70 Menschen geköpft hat. Gestern (04.08.) hat ISIS das Dorf Telkef mit Raketen angegriffen und sie haben einen christlichen Jungen getötet.

Die Christen sind isoliert und sie haben Angst  vor diesen rapiden Umwälzungen. Sie haben erkannt, dass alles nur Denkbare möglich ist.

Es ist klar geworden, dass die Zentralregierung unfähig ist Ordnung und Sicherheit im Land zu gewährleisten. Die Vertriebenen flüchten nach Kurdistan, wo die Grenze offen ist. Es existiert keine  Kooperation zwischen der Zentral- und der Regionalregierung. Eine neue Regierung ist noch nicht gebildet worden und es wird internationale Unterstützung und militärische Hilfe benötigt.

Unsere christlichen Parteien haben keinen Erfolg gehabt etwas Positives aus christlicher Sicht zu erreichen. Die Gründe hierfür sind Allen bekannt.

Wir  sind schmerzerfüllt, dass die religiösen muslimischen Führer keine klare, starke und mutige Stellung bezogen habe, obwohl sie wissen, dass von diesen Gruppierungen für sie selbst eine große Gefahr ausgeht.

Die Kirche ist heute wichtiger als gestern, gerade weil sie in dieser Situation auf sich alleingestellt ist. Ihre Führer müssen sehr schnell handeln bevor es zu spät ist. Sie müssen Druck auf die internationale Gemeinschaft ausüben und auf die, die Entscheidungen treffen können. Es müssen  grundlegende Lösungen für das kriminelle Verbrechen und die zerstörerischen Pläne gefunden werden, besonders für die isolierten Menschen, welche im Irak, Syrien und Gaza leben.

Es ist zu erwähnen, dass all diese Machtkämpfe nur deswegen stattfinden, weil sich unter der Erde  Öl und Gas befinden. Was wäre sonst die Rechtfertigung für diesen  radikalen Krieg, der genau geplant war und das Leben der Völker stört und verachtet.

Alle Lippenbekenntnisse, Ansprachen und Demonstrationen helfen nicht. Wir danken all denen, die für uns spenden. Aber diese bescheidenen Spenden können das Problem nicht lösen.

Wir appellieren an die Institutionen auf internationaler Ebene sich dieser humanitären Katastrophe bewusst zu sein. Wir brauchen Solidarität und wirkliche Taten, denn wir stehen vor einer existenziellen Krise. Hier geht es um  Sein oder Nichtsein.

Dies ist einen emotionaler Aufruf, nach einer Lösung zu suchen, welche in Händen  der internationalen Gemeinschaft, besonders an der Hand der mächtigen Länder,  liegt. Sie sollen in sich gehen und die Lage überdenken, denn sie haben eine humanitäre und moralische Verantwortung. Diese Länder sollen nicht nur ihre eigenen Interessen sehen, sondern gemeinsam eine friedliche Lösung finden um diesen Konflikt zu beenden.

Sie müssen Druck auf die Unterstützer dieser Gruppierungen ausüben um die Quelle der Gewalt zu stoppen. Ebenso müssen die schiitischen und sunnitischen Autoritäten aufgefordert werden offizielle und klare Fatwas zu verhängen, welche Angriffe auf unschuldige Christen und ihr Eigentum verbieten.

Für die Christen im Irak rufen wir die internationale Gemeinschaft auf, ausgehend von unserer spirituellen Fürsorge für sie, dass sie dringend humanitäre Hilfe und einen dauerhaften Schutz benötigen um  ihnen Schutz und Zuversicht zu geben, damit ihre ursprünglichen Wurzeln sowohl im Irak als auch in dem in Flammen stehenden arabischen Osten nicht ausgelöscht werden. Aber es scheint, wenn der Situation nicht Einhalt geboten wird, dass sich  die Lage noch verschlimmern wird.

Ebenso rufen wir unsere Brüder und Schwestern überall auf, dass sie das Manna mit uns in diesem schwierigen Schicksal  teilen  und uns das Gefühl geben, dass wir eine große Familie sind, wie das (z.B.) beim Besuch der französischen Delegation der Bischofskonferenz unter der Leitung seiner Seligkeit Kardinal Philippe Barbarin von Leon der Fall war.

Dennoch glauben wir noch immer an den Dialog, die Kommunikation und an ein Leben miteinander. Möge Gott uns Gaben und Kraft geben um diese Prüfung zu überstehen und das er  alle Herzen von Hass und Gewalt reinigt.

der mit Euch im Gebet vereint ist.

Louis Ruphael 1. Sako

Patriarch des Chaldäer Babylons

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